Donnerstag, 27. April 2017

Der Fluch der Kanaren



Ja wie jetzt? Fluch oder Segen? Hier denke ich definitiv eher an Regen Segen. Ja, plötzlich und unerwartet hatte ich mal wieder Geburtstag. So gar nicht unerwartet ging es wieder mal, wie übrigens gefühlt seit mindestens drölf Jahren, nach Fuerteventura in den Partyclub schlechthin, Robinson Jandia Playa, zusammen mit meinen langjährigen bezaubernden und generationsübergreifenden Begleiterinnen.
Ganz zufällig war dort zusätzlich auch noch Partywoche unter dem Motto: Der Fluch der Kanaren
Alle Kinder fahren an den Atlantik - nur nicht Balnea, die fährt nach Korea.
Steak tartare
Tartar

Der Fluch der Karibik

Fluch der Karibik (engl. = Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl) lautet der Titel des US-amerikanischen Piratenfilms von Walt Disney Pictures von 2003. Es war der erste Teil der gleichnamigen Filmreihe mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Vier weitere sind bislang gefolgt. Eine recht kostspielige Produktion sollte es werden da diverse Mitwirkende an Seekrankheit litten, was die Dreharbeiten erschwerte und in die Länge zog. Ich empfehle in diesem Fall Ingwer in jeglicher Form und Menge, habe ich doch auch demnächst 29 Stunden Fährpassage vor mir – ich werde berichten. Drehort für den Streifen war St. Vincent, eine Insel, tatsächlich in der Karibik gelegen. Es soll ja auch schon vorgekommen sein, dass Indianerfilme im ehemaligen Jugoslawien und Western in Italien gedreht worden sind.
Tartar Steak tartare
Tartar
Meine Erinnerungen an die Karibik vor knapp 40 Jahren gründeln auf Barbados. Feucht und sehr heiß war es dort als ich in der Adventszeit in charge for Caribbean Airlines als Saftschubse Crewmitglied von Laker Airways ausgeliehen war. Bing Crosbys White Christmas schallte aus den Hotellautsprechern und es schmeckte so gar nicht nach Weihnachten in good old Germany.

Die Partywoche

Viele geladene Gäste, sowohl musikalisch als auch kulinarisch peppten die Woche zusätzlich auf. So gab es sensationelle Sun-Downer-Strand-Lounges mit Lifemusic aus Kehlen, Tasten und Saxophonen.
Stand-up-Impro-Musik-Sessions, sogar in Kooperation mit den Gästen, selbsterklärend das übliche Sport-Spiel-Spannungs-Programm … und ganz und gar köstliches Essen. Ich war ganz Gin und weg, sozusagen nach mir die Gin-Flut … denn es wurde jeden Tag Geburtstag gefeiert, nicht nur der Meinige. Und was dudelt natürlich in der Disco? DER Frühlingsohrwurm schlechthin:
Ed Sheeran
Der Himmel zeigte sich von seiner interessantesten Seite. Über die, von Vielen als karg bezeichnete Insel, schreibe ich alljährlich meinen Bericht hier auf meinem Blog, da könnte der geneigte Leser gerne auch mal durch die Schlagworte am Fuße der Seite surfen, so er Zeit und Lust hat.
Da ich ja 111 Jahre alt werde, dieser Gedanke schützt mich vor schweren Unfällen, infektiösen Seehundsbissen, Spinnenstichen und bösen Krankheiten … und somit vor dem vorzeitigen Ableben, freue ich mich bereits jetzt auf viele wunderbare Party-Urlaubs-Wochen auf meiner Kanarischen Lieblingsinsel.
Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub!

Das Menü

Ein ganz besonderes Südtiroler Alpenspecial fand am Abend im üppig dekorierten Strandrestaurant unter Führung von Klaus Gander mit Franz Rier und dem Executive Chef vor Ort Michael Kaiser statt v.l.n.r. Das war very cross-over, wenn man bedenkt dass das Villnösser Brillenschaf auf die Tomaten aus Fuerteventura trifft - Haubenküche im Badeurlaub auf den Kanarischen Inseln, crazy! Da müsste man doch glatt mal wieder nach Bozen zum Südtiroler Genussfestival. Vor zwei Jahren war ich dank eines Rezeptgewinns schon einmal vor Ort. Der Landeanflug in das schmale Tal bei Dunkelheit war schon ein beeindruckendes Erlebnis, selbst für mich. Ein Einkehrschwung in den Locations der verlinkten Restaurants der begnadeten Südtiroler wäre sicherlich sehr lohnenswert – Liebe geht durch den Magen, und sie haben mit Liebe gekocht! Es gab, und ich hoffe ich habe nichts vergessen:

Fuerteventura Tomaten mit Kerbel, Gurkenschaum, getrüffelt
Rindstartar vom Alpenrind mit Zucchini und Ananas BBQ
Feldsalat mit Spargel marinierten Lachs, Bozner Sauce
Lammrücken vom Villnösser Brillenschaf mit Kräuterkruste auf Gartengemüse
Schokoladenzigarillo mit weißem Minzemousse, Himbeersorbet
Mein Danke für die Fotos geht an Franz Rier.

Das Tartar

Steak tartare
Tartar, Making off
Tatar oder wir Berliner sagen Schabefleisch ist Hackfleisch vom Rind, das aus hochwertigem, sehnenfreiem und fettarmem Muskelfleisch wie z. B. Filet hergestellt wird. Professionell wird es gewolft, aber wer etwas auf sich hält der hackt, resp. schneidet sein Fleisch per Hand.
Rinderfilet
Die Entwicklung von Kühlmöglichkeiten gegen Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichte allzeit den Genuss von frischem Fleisch, wodurch rohes Hackfleisch in Restaurants und auch auf dem heimischen Teller öfter mal auftauchte. Erfunden hat das Gericht der französischen Meisterkoch Auguste Escoffier 1921. Er nahm zartes rohes Rinderhackfleisch aus der Hüfte und servierte es mit einer Sauce à la Tartare auf Senf- und Ei-Basis. Es gelangte in den 1950er Jahren auch in der französischsprachigen Schweiz zu Beliebtheit und findet sich angeblich noch heute auf jeder Walliser Speisekarte. Die älteste bekannte Beschreibung des Gerichts entdeckt man wohl in dem 1851 erschienenen Buch Gastrosophie von Eugen von Vaerst.
Kürzlich aß ich in der Berliner Cordobar eine besonders köstliche Variante. Sie inspirierte mich zum unten stehenden Rezept.
Cashews
Cashewkerne (Anacardium occidentale)
Der Clou ist die Nusskomponente für die Haptik, die Kräuterkomponenten für den Überraschungseffekt und die Eilosigkeit. Etwas Öl dient in meinem Fall als Geschmacksträger. Übrigens war das Inhalt einer Diskussion mit meinem Professor für Physiologie während des Physikums, ja, damals wurde auch noch mündlich geprüft, zum Thema Löslichkeit und Aufnahmefähigkeit von Vitaminen im menschlichen Organismus. Große Dinge werfen bekanntlich lange vorher ihre Schatten voraus. Hier kommt nun mein Rezept aus meiner Feder und meiner Küche.
Steak tartare

Das Rezept

Rindstartar von Doc.Eva
Zutaten

  • 300 g           Rinderfilet, hier vom Brandenburger Jungbullen
  • 4 El             Zwiebellauch in feinen Ringen, die Hälfte in Butter angeschwitzt
  • 4 El             Zwiebeln, weiß, fein gewürfelt, die Hälfte in Butter angeschwitzt
  • 2 El             Kremsersenf, hier Bauzener
  • 1 El             Kapern, Nonpareilles, etwas angewiegt
  • 1 El             Gewürzgurke, fein gewürfelt
  • 1 El             Cashewkerne, etwas angewiegt und angeschwitzt
  • 1 El             Tomatenflakes, getrocknet
  • 1 El             Kräuter, hier Minze und Zitronenmelisse
  • 1 Tl             Rapsöl
  • Salz
  • Pfeffer, schwarz
  • Zucker

Zubereitung

  1. Das Rinderfilet enthäuten und fein würfeln. 
  2. Die angeschwitzten Komponenten erkalten lassen. Alles miteinander vorsichtig vermengen und zügig servieren.

Anrichten

  1. Das fertige Tartar kann sowohl pur, mit gebratenem Ei oder auch einseitig angebraten serviert werden.
    Steak tartare

Lasst’s euch schmecken!
Und wer noch mehr sehen mag, der schaut den offiziellen Film vom Robinson Club Jandia Playa auf Fuerteventura vom März 2017.